ADS und ADHS

Die ADS/ADHS ist eine häufige, sehr komplexe Störung im Kindes- und Jugendalter, deren Vorkommen im deutschsprachigen Raum zwischen 3 und 9 % geschätzt wird¹.
Ärzte und Schulpsychologen in Österreich versuchen – oft gemeinsam mit Spezialisten – durch Verhaltenstherapie allein oder kombiniert mit anderen Therapien zu helfen. In die multimodale Behandlung wird auch die Beratung der Eltern und Lehrer einbezogen.
Eine frühzeitige Beratung und Behandlung kann den „Leidensweg“ lindern und dem Kind zu einer „normalen“ Entwicklung verhelfen.
ADS/ADHS ist keine Störung, die sich nur bei Kindern und Jugendlichen manifestiert, sondern mit bestimmten Symptomen bis in das Erwachsenenalter hinein auftreten kann.

ADS und ADHS – 2 unterschiedliche Formen einer Störung

Aufmerksamkeitsstörung OHNE Hyperaktivität - ADS

Eine Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung (ADS-Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) zeichnet sich durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität sowie durch Aktivitätsminderung aus¹

Kinder mit ADS haben eine unzulängliche, nicht altersgemäße Konzentrationsspanne. Sie sind zerstreut, langsam und vergessen kleinste Anweisungen. Diese Kinder haben oft auch ein langsames Arbeitstempo und wirken auf die Umgebung verträumt und geistesabwesend.
Die Störung ist keine Erscheinung unserer Zeit auch wenn die Häufigkeit zunimmt. Die Figuren aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ aus dem 19. Jahrhundert werden gerne genannt. Das literarische Vorbild für ein „ADS-Kind“ ist der verträumte „Hans-Guck-in-die-Luft“. Beim „Zappel-Phillipp“ kommt die Hyperaktivität dazu (ADHS).

Auch wenn das hyperaktive Verhalten fehlt, werden Kinder mit ADS verschiedentlich vom sozialen Umfeld isoliert. Aufgrund der Konzentrationsstörung sind sie in der Schule leistungsschwächer und gelten deshalb als dumm oder faul.

Die Rolle von Ernährungsdefiziten in Bezug auf bestimmte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren bei Entstehung und Verlauf von Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen gewinnt durch Studienergebnisse der letzten Jahre zunehmend an Bedeutung.

Leichte Ablenkbarkeit, scheinbare Abwesenheit (hört nicht zu), Neigung zu Flüchtigkeitsfehlern, Vergesslichkeit oder Probleme eine angefangene Arbeit zu Ende zu führen sind Anzeichen für einen Mangel an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. „Organische“ Symptome wären: trockene Haut, trockene Haare, vermehrter Durst, häufiges Urinieren. So konnten bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen verminderte Omega-Fettsäurespiegel im Blut festgestellt werden.

Aufmerksamkeitsdefizit MIT Hyperaktivität – ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung² beeinträchtigt die Steuerung des Verhaltens des Betroffenen: das zeigt sich in Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, mit der Impulskontrolle oder –hemmung und mit einer übermäßigen Aktivität. Die Betroffenen können sich auch schwer an Regeln oder Anweisungen halten. Eine weitere Schwierigkeit zeigt sich in einer „Beeinträchtigung der Bereitschaft oder der Fähigkeit der betroffenen Kinder, zukünftige Ziele und Konsequenzen in ihrem Verhalten zu berücksichtigen“³. Ein großes Problem wird auch darin gesehen, dass sie ihr Verhalten mit Hilfe der Willenskraft nicht hemmen können.

Lang andauernden Trotzphase mit außergewöhnlichen Wutanfällen sind weitere Anzeichen für ADHS. Die Kinder haben ein plan- und rastloses Spielverhalten. Auch das Sozialverhalten der Kinder mit ADHS kann sich gestört entwickeln. Das zeigt sich in nicht vorhersehbaren und aggressiven Verhalten. Dies führt möglicherweise zu einer Isolierung des Kindes. Es hat keine beständigen Freundschaften mehr.

Das Kind stört in der Schule den Unterricht, zeigt wenig Ausdauer und ist schnell abgelenkt. Eltern müssen sich oft mit den Lehrern auseinandersetzen, weil ihr Kind dazwischenredet, zappelt, Geräusche produziert, den Nachbarn nicht in Ruhe lässt, in der Klasse herumspaziert usw. Auf Ermahnungen reagiert das Kind häufig mit Wutanfällen. Das Kind wird durch Ausgrenzung und Misserfolge unglücklich, sein Selbstbewusstsein schwindet, es besitzt nur mehr geringes Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten.
Erst bei bestimmten Kriterien sprechen Ärzte von ADHS: die Symptome müssen vor dem 7. Lebensjahr auftreten, über 6 Monate andauern und deutlich über das altersgerechte Maß hinausgehen. Dazu müssen die Anzeichen in zumindest 2 verschiedenen Umfeldern (z.B. zu Hause und in der Schule) zu beobachten sein.
1 Vgl. Barkley Russell A. Attention-Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment, 2005, S. 209f.
2 Vgl. Dipl. Psych. Götz Müller im Vortrag „Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADS/ADHS)“ am 10. November 2006 in Salzburg.
3 Vgl. Barkley Russell A. Attention-Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment, 2005, S. 43.